Panta rhei - alles fließt: Tag 7 von #KretaLive

#KretaLive Tag 7

„Ich möchte euch eine Geschichte erzählen.“ Mir diesen Worten begann ich den ersten Tag von #KretaLive.  Auch heute, zum Abschluss meiner Woche als "True Ambassador“ in Griechenland, möchte ich euch noch einmal eine Geschichte erzählen … 

 

Diese Geschichte entstand am Rückflug, über der Ägäis. Ich betrachtete Fotos, die ich gestern in den Weißen Bergen Kretas aufgenommen hatte: Thymian, Bergtee, Stechpalmen …

 

Goethe versuchte in seinen botanischen Studien, das Geheimnis der Natur zu erfassen, begrifflich und begreifbar zu machen. Hinter allen Naturerscheinungen, so Goethes Vermutung, verberge sich ein gemeinsamer Plan. Ein Grundgesetz. Goethe ortete dieses Gesetz, den Bauplan, am reinsten in einer Pflanze verwirklicht: der Urpflanze.

 

Goethe irrte. Die Urpflanze existiert nicht. Der Bauplan der Pflanzen ist an der Form nicht zu erkennen.

 

Heute wissen wir: Es gibt dieses Naturgesetz. Einen viel subtileren, bewundernswert perfekten Plan. Dieser Plan gilt vom Kleinsten bis ins Größte. Er ist - im Gegensatz zu uns Menschen - perfekt. Dieser Plan erstreckt sich vom Mikrokosmos bis zum Kosmos. Chaos existiert nur für die Unaufmerksamen.

 

Panta rhei. Alles fließt. Sagte einst ein griechischer Philosoph. Noch ein Versuch, die Natur zu erklären. Panta rhei. Heraklits Bild kam mir heute auf der Fahrt nach Heraklion wieder in den Sinn. Alles im Fluss. Mit der aufmerksamen, intuitiven Fahrweise der Griechen kam ich schneller zum Airport als gedacht.

 

Nur für den Fremden sind Kretas Straßen chaotisch. Ein Gesetz sorgt dafür, dass alles im Fluss bleibt. Dieses Gesetz ist die Aufmerksamkeit. Die Rücksicht. Der Respekt vor dem anderen. Wer es eilig hat, kommt schnell voran. Wer Zeit hat, macht Platz und wird auch nicht gedrängt.

 

Ein einziges Mal, auf der kurvigen Küstenstraße vor Heraklion, kam der Verkehr zum Stocken. Bildete sich eine Kolonne. Ein weißer Kleinwagen fuhr strikt in der Mitte der Spur. Behielt sein Tempo. Wich nicht aus. Als ich vor Heraklion schließlich an ihm vorbeikam, verstand ich schlagartig alles.

 

Der Fahrer blond, kurzgeschoren, mit Sonnenbrille. Ich bitte um Verzeihung, aber: Er sah sehr deutsch aus … Er war im Recht. Fuhr sein individuelles Tempo. Blieb exakt in der Spur. Und doch hatte er nichts verstanden.

 

Wie wenig verstehen wir von Griechenland? Von den Griechen? In unserer Ignoranz verursachen wir Chaos. In unserer Arroganz glauben wir, wir sind im Recht. Wir sollten aufmerksamer werden. Rücksichtsvoller. Respektvoller. Wir sollten einander zuhören. Einander besser kennen lernen. Dann ist auch unser Leben wieder im Fluss.

 

Das war es, was mich heute der letzte Tag von #KretaLive lehrte.

 

 

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